Über den Versandzeitpunkt sind erfahrungsgemäß rund 20 Prozent mehr Wirkung erreichbar – ohne eine Zeile am Inhalt zu ändern. Das Ziel dahinter ist simpel: Im Moment, in dem jemand ins Postfach schaut, soll die eigene Nachricht oben stehen.
Wo E-Mails tatsächlich gelesen werden
| Beim Fernsehen | 70% |
|---|---|
| Im Bett | 52% |
| Im Urlaub | 50% |
| Während eines Telefonats | 43% |
| Im Badezimmer | 42% |
| Beim Autofahren | 18% |
Quelle: Adobe, „Email: We Just Can’t Get Enough“, 2015 – über 400 Befragte in Bürojobs, USA. Die Verhältnisse sind aussagekräftiger als die absoluten Werte, die Erhebung ist über zehn Jahre alt · zur Erhebung
Die Erhebung ist alt und amerikanisch – als Beleg für einzelne Prozentwerte taugt sie heute nicht mehr. Ihre Aussage hält trotzdem: E-Mails werden in Nebenzeiten gelesen, nicht am Schreibtisch. Bei jüngeren Befragten lagen die Werte durchweg höher; im Bett etwa 70 statt 52 Prozent.
Daraus folgt für die Praxis: Der beste Zeitpunkt liegt selten dort, wo der Absender gerade arbeitet.
Die Zeitfenster als Startpunkt
Für den Einstieg – solange nichts Eigenes getestet ist – haben sich Dienstag und Donnerstag als stärkste Tage erwiesen, mit dem Mittwoch dahinter. Die Uhrzeiten unterscheiden sich deutlich nach Zielgruppe:
| B2B | B2C | |
|---|---|---|
| Montag | 14–17 Uhr | 7–9 und 17–22 Uhr |
| Dienstag bis Donnerstag | 10–12 und 14–17 Uhr | 7–9 und 17–22 Uhr |
| Freitag | 10–12 Uhr | 7–9 und 17–20 Uhr |
| Wochenende | nicht zu empfehlen | 13–20 Uhr |
Zeitfenster nach einer Auswertung von Mailjet.
Diese Fenster sind eine Testhilfe, kein Ergebnis: Man beginnt dort, wo es für die meisten funktioniert, und tastet sich vor. Wer seine besten Tage und Zeiten gefunden hat, hat damit oft schon rund fünf Prozent Umsatz gewonnen.
Der Kniff mit der Viertelstunde
Sämtliche veröffentlichten Tests vergleichen ganze Stunden. Niemand testet 8 Uhr gegen 8:15 Uhr – und genau darin liegt eine Gelegenheit.
Weil alle in Stunden denken, versenden nahezu alle zur vollen Stunde. Wer stattdessen acht bis fünfzehn Minuten später sendet, landet über den Nachrichten, die um Punkt eingegangen sind. Zum Zeitpunkt des Öffnens steht die eigene E-Mail oben.
Es ist ein kleiner Eingriff ohne inhaltlichen Aufwand – und einer der wenigen, die sofort wirken.
Warum die automatische Optimierung oft enttäuscht
Nahezu jedes professionelle Versandsystem bietet eine personalisierte Versandzeit an. Der häufigste Konstruktionsfehler dabei ist der Durchschnitt: Wer morgens um sieben und abends um zehn liest, bekommt seine Post mittags – zu einer Zeit, in der er nie ins Postfach schaut.
Richtig ist das lokale Maximum: der Zeitraum, in dem diese Person tatsächlich am häufigsten öffnet. Und zwar bezogen auf den Zeitpunkt kurz vor ihrer üblichen Öffnung, nicht darauf.
Ein zweiter Fallstrick betrifft Empfänger, die immer öffnen. Für sie liefert die Öffnungszeit kein Signal – bei ihnen ist der Klick der bessere Anhaltspunkt.
Wer diese Segmentierung selbst baut, hat gegenüber der Blackbox einen Vorteil: Er weiß, was gerechnet wird. Die Grundlage dafür liegt ohnehin schon vor, wenn Recency und Frequency je Kunde gepflegt werden.