Der Newsletter läuft, die Liste wächst – und dann stellt sich die Frage, welche Automation als Nächstes dran ist. Die Antwort hängt weniger am Geschmack als an zwei Dingen: am Umsatzanteil und daran, welche Phase des Kundenlebenszyklus bisher unbespielt ist.

Die Journeys nach Umsatzanteil

Journey Anteil am Automations-Umsatz
Welcome Journey inklusive Double-Opt-in rund 33 % – mit Abstand die stärkste
Warenkorbabbrecher mehr als 10 %, meist Platz zwei
Retargeting bis zu 10 %
Wunschlisten-Kommunikation etwa auf Höhe des Retargetings
Back-in-Stock knapp darunter
Transaktions-E-Mails kein Verkaufsziel, dafür Cross-Selling – oft auf demselben Niveau
Post-Purchase kann einen erheblichen Anteil ausmachen
Retention die schwächste – und trotzdem unverzichtbar

Die letzte Zeile ist die interessanteste. Nach E-Mail-Umsatz gemessen lohnt sich die Retention-Strecke kaum. Ihre Aufgabe ist aber eine andere: das Ende der Kundenbeziehung zu verhindern. Wer sie am Kundenwert misst statt am Kampagnenumsatz, kommt zu einem anderen Ergebnis.

Wo die Journeys im Lebenszyklus greifen

Welche Automation in welcher Phase arbeitet
  1. Lead

    Double-Opt-in und Welcome Journey

    Aus einer Anmeldung wird ein bestätigter Empfänger, aus einem Empfänger ein Erstkäufer. Die Strecke arbeitet von breit nach spitz und erkennt dabei das Interesse.

  2. Interesse erkannt

    Retargeting, Wunschliste, Back-in-Stock

    Jetzt ist bekannt, wofür sich jemand interessiert. Diese drei Strecken arbeiten den umgekehrten Weg – vom Produkt zur Kategorie – und greifen anlassbezogen, wenn Preis oder Verfügbarkeit sich ändern.

  3. Kauf begonnen

    Warenkorbabbrecher

    Die spitzeste aller Strecken: Der Kauf war entschieden und wurde unterbrochen. Deshalb der hohe Umsatzanteil bei vergleichsweise wenigen Empfängern.

  4. Neukunde

    Transaktions-E-Mails und Post-Purchase

    Die höchsten Öffnungsraten überhaupt – und die Phase, in der sich entscheidet, ob ein Wiederkauf folgt. Beides wird regelmäßig verschenkt.

  5. Bestandskunde

    Geburtstag, Empfehlungen, Club

    Anlassbezogene Bindung. Schwächer im Einzelumsatz, aber sie halten den Kontakt zwischen den Käufen – und sammeln nebenbei Daten für die Feinsteuerung.

  6. gefährdet

    Retention und Rückgewinnung

    Die letzte Phase. Erst Churn-Prävention, solange noch Zeit ist, dann Rückgewinnung – und am Ende die Absenkung der Frequenz statt weiterer Aussendungen.

Womit man anfängt

Immer mit der Welcome Journey – aus drei Gründen: Sie ist die stärkste, sie ist technisch am einfachsten (kein Shop-Datenstrom nötig), und sie erzeugt die Information, auf der alles Weitere aufbaut.

Danach entscheidet die technische Lage. Wer Warenkorbdaten ins Versandsystem bekommt, baut die Warenkorbabbrecher-Strecke als Nächstes – das beste Verhältnis von Aufwand zu Ertrag nach der Welcome Journey. Wo das nicht geht, sind Transaktions-E-Mails der lohnendere Schritt, weil die Daten dort ohnehin vorliegen.

Der Blick, der sich lohnt

Legt man die eigenen Automationen über die sechs Phasen oben, wird fast immer dasselbe sichtbar: zwei bis drei Phasen sind gar nicht bespielt. Meist die nach dem Kauf und die vor dem Abschied – also genau die, in denen der Kundenwert entsteht und wieder verlorengeht.

Das ist der eigentliche Nutzen dieser Übersicht: nicht die Rangliste, sondern die Lücke.